Nachgereicht: Gedanken zum Geburtstag am Tag danach
Ein Tag danach – Zeit, innezuhalten. Gestern habe ich meinen 51. Geburtstag gefeiert. Heute, mit etwas Abstand, merke ich, wie viel in diesem Jahr geschehen ist. Ein Jahr liegt zwischen heute und meinem 50er – und dieses Jahr war prall gefüllt. Es gab schon Jahre, in denen wenig passiert ist. Dieses war keines davon.
Man sagt, im Alter vergeht die Zeit schneller. Vielleicht. Aber viel wichtiger ist der Maßstab, mit dem man misst. Denn in einem Jahr kann alles passieren: das Schönste, das uns je widerfahren ist – und das Schwerste, das uns herausfordert.
Ich habe beides erlebt. Einen Tiefpunkt, der mich geprüft hat, und gleichzeitig eine Stärke, die ich so nicht kannte. Ich habe gelernt, dass wir Niederlagen besser tragen, je älter wir werden – und es hat sich einmal mehr bestätigt: Wandel ist die einzige Konstante im Leben. Die letzten zwei Monate waren vielleicht die intensivste Reflexionsphase meines Lebens.
Und trotzdem: Oft sind es die kleinen Begegnungen, die den Tag tragen.
Heute Morgen, kurz nach sieben, war ich auf meinem Spaziergang mit Alva. Zehn Kilometer insgesamt, dazwischen dieser Moment: Ein Paar mit Hund kommt mir entgegen – schon zum zweiten Mal, nur diesmal von der anderen Seite. Wir grüßen freundlich, wie man es als Hundebesitzer eben tut. Im Vorbeigehen bemerkt er, dass ich Alva ein Stück Pansen gebe, um ihr die Situation angenehm zu machen. Ich höre, wie er es seiner Begleitung erklärt, und bestätige lachend, dass es genau darum geht: eine positive Verknüpfung zu schaffen. Ein kurzes Gespräch im Gehen, gegenseitiges Lächeln. Dann ruft er mir nach, ob ich Hundetrainer oder Jäger sei. Auf meine Antwort folgt ein herzliches „Weidmannsheil“. Ich wünsche ihnen einen schönen Tag, gehe weiter – und merke, wie mich so eine Kleinigkeit zum Lächeln bringt.
Es wird mein Leben nicht verändern, auch nicht ihres. Aber es ist einfach ein gutes Gefühl.
Heute stehe ich fitter da als je zuvor: 24 Kilometer täglich zu Fuß, Fitnessstudio, und nicht nur körperlich, auch geistig. Ich lerne Spanisch, ich spiele Klavier. Ich habe mehr Energie als in den letzten zehn Jahren. Doch ich merke auch: Mehr ist nicht immer besser. Doppelt so viele Kilometer bedeuten nicht doppelt so viel Glück. Jetzt geht es darum, Qualität über Quantität zu stellen.
Ein alter Freund sagte einmal: „Das Pendel schlägt immer in beide Richtungen gleich weit.“ Wer Höhen will, muss auch Tiefen akzeptieren. Ich nehme sie in Kauf, weil ich das Glück nicht missen möchte.
Am Ende bleibt Hoffnung. Nicht nur die Hoffnung, die zuletzt stirbt – sondern die, die uns trägt, wenn es dunkel ist. Die uns weitermachen lässt, bis am Ende des Tunnels wieder Licht auftaucht.
51 Jahre alt, um viele Erfahrungen reicher, umso entschlossener, weiterzulernen, zu wachsen und bewusst zu leben.
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